Die Geschichte

Eines der bekanntesten Volksfeste in Nordwestdeutschland ist der Brockumer Grossmarkt. Leider wissen wir aus seiner Geschichte nur wenig. Zum ersten Mal wird er Ende des 16. Jahrhunderts in einem Bericht der Gräfin Margaretha von Diepholz erwähnt und als Kirmes bezeichnet. So ist der Markt mit Sicherheit über 400 Jahre alt, wahrscheinlich aber noch viel älter.

So lässt sich der Brockumer Markt erstmals für das Jahr 1558 nachweisen, und zwar wegen eines Ereignisses, für das es eine Mindener und eine Diepholzer Version gibt: “Die Mindener Darstellung besagt, daß am 23. Oktober 1558 in Brockum, einem Dorf des Bischofs (zu Minden) ein Freimarkt oder eine Kirmeß gehalten wurde. Der Mindener Amtmann zu Rahden hätte an diesem Tage den Vogt Gercke Hartenfeld und den Untervogt Hermann Bottecker nach Brockum in das Haus des Heinrich Deleken geschickt, der wohl – wie viele andere Brockumer – die Michaelis-Steuer nicht dem Bischof zu Minden (und demnach wohl nach Lemförde) entrichtet hatte.

Markt Stein
Markt Stein

Vor diesem Haus begegneten Vogt und Untervogt dem (Burgmann) Hartwig von der Horst aus Lemförde mit Begleitern. Der Burgmann griff mit seinem Spieß die beiden Vögte an, die jedoch Oberhand gewannen und den Burgmann gefangen nahmen. Dieser säße jetzt im Gefängnis der Mindener, da er auf einem freien Markte derartige Gewalt geübt hätte.

Graf Rudolfs (von Diepholz) Darstellung auf dem Gerichtstag zu Oldendorf war kürzer. Er sagte, der besagte Vogt habe dem Burgmann auf freier Kirmeß zu Brockum ohne jeden Anlaß durch den Schenkel geschossen, und der Untervogt habe ihm einen Speer in den Hals gestoßen. Der Burgmann sei wie tot liegen geblieben und hätte in Lebensgefahr geschwebt”.

Wo so viele Menschen zusammen kommen, gibt es nicht nur Freud und Stimmung, sondern manchmal auch Auseinandersetzungen, die Gott sei Dank fast nie so enden wie im Jahre 1570, als der gewalttätige Ritter Johann von Bordewisch auf der Brockumer Kirmeß zwischen Brockum und Quernheim einen Ausländischen vom Leben zum Tode gebracht habe.

In dem ersten gedruckten Bericht aus dem Jahre 1789 heißt es u.a.: Hier wird jährlich eine berühmte Kirmeß, der beste Markt in der Grafschaft, abgehalten. .....Nach diesem Markt richten sich die mehrsten Produkte im Preise. Daher verkaufen die Landleute ihre Produkte vor diesem Markte mit dem ausdrücklichen Vorbehalt: “Was es auf dem Brockumer Markt gelten wird.” Daraus wird die besondere Bedeutung des Brockumer Grossmarktes für den Landhandel deutlich.

Weitere Informationen existieren aus dem Jahre 1804, als der französische Kommandant in Lemförde am 30. Oktober, dem ersten Markttage, einen Offizier, einen Sergeanten und 34 Soldaten als Ordnungskommando nach Brockum schickte, deren Verpflegung die Brockumer über 42 Taler kostete.

Anfang diesen Jahrhunderts wurde das Marktgeschehen wie folgt geschildert: Ist dann der Montag gekommen, so sind alle Straßen des Amtes Lemförde von Fußgängern, Radfahrern und Kutschwagen belebt ;jeder ankommende Personenzug schüttet auf dem Lemförder Bahnhof Scharen von Menschen aus. Am Montagabend ist schon auf den Dorfstraßen von Brockum ein lebhafter Pferdehandel im Gange. Ist der Markttag endlich da, so werden schon bei Tagesgrauen die Nachbardörfer durch Pferdegewieher, Hufgetrappel und Wagenrassel aus dem Schlafe geweckt. Ganze Pferdekarawanen ziehen vorüber.

Im Jahre 1910 hat, wie nachzulesen ist, der Sturm arg an den Buden gerüttelt. Das Panorama Behrens aus Herford ist gänzlich in Trümmer gegangen. Auch der Barbier Jahrmacht hat einen großen Verlust erlitten. Das große Kinozelt wäre ebenfalls kopfheister gegangen, wenn nicht 17 Leute mit Hilfe von Stangen sich stundenlang abgemüht hätten, es zu stützen.

Manches hat sich seitdem verändert. Wer früher mit der Bahn nach Lemförde kam und dann den Fußmarsch nach Brockum in Kauf nahm, fährt heute mit dem Pkw oder nutzt den seit einigen Jahren angebotenen Buspendelverkehr.

Auch der Charakter des Marktes hat sich gewandelt. Die Marktzeit wurde auf das Wochenende vor Simon und Judä (28. Oktober) ausgedehnt. Kram- und Pferdemarkt sind nicht mehr getrennt – bis 1930 gab es unterschiedliche Marktplätze -. Seit 1955 findet eine Gewerbeausstellung mit Landmaschinenschau statt.

Der Brockumer Grossmarkt stellt sich heute als gelungene Kombination aus Vergnügungsmarkt und Wirtschaftsschau dar. Geblieben ist trotz der allgemeinen Entwicklung die Bedeutung für die Landwirtschaft, wie man auch an dem großen Anteil an Landmaschinen und landwirtschaftlichen Geräten sehen kann. In den Gewerbeschauzelten zeigen die Aussteller einen Querschnitt ihres Angebotes: Elektrogeräte für den Haushalt fehlen ebenso wenig wie Pötte und Pannen, Wohn- und Küchenmöbel, Kachel- und andere Öfen, kleine und große Uhren, Überdachungen, Baustoffe und Fliesen. Viele Firmen sind mit Informations- und Beratungsständen vertreten. Die Gewerbeausstellung ist somit eine ideale Informationsstätte.

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